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Catch the Ghost

Catch the Ghost - Ein Bericht unseres Lauftreff-Mitglieds Udo Kamp:

"... und wieder mal ist Pfingsten
Das ideale WE für einen langen Lauf, aber für richtig lang braucht man einen Kurs mit kleineren Runden, eine Crew oder man läßt sich was einfallen und besorgt sich einen 20 Jahre alten Babyjogger, der extra für Läufer entwickelt wurde. Ein wenig umbauen und schon passt alles rein.
Ob das geeignet ist für einen Ultra war allerdings noch nicht erprobt.
Nun, nach Analyse von Zahlen, Daten und Fakten hegte ich eine kleine Hoffnung mal so richtig einen raus zu hauen, 101km in Eigenregie ohne VPs in weniger als 12std war das Wunschziel, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Traumhaft, meine Holde fährt mich früh morgens zum Start nach Hagen und wird mich in Duisburg abholen, egal wann ich ankomme, besser geht nicht (womit hab ich das verdient?).
Der Jogger ausgestattet mit 9 Liter Getränke (vornehmlich Traubensaft), diverse Riegel und Schokoladencrepes, dazu wenn nötig, Wechselklamotten. Bestes Laufwetter und Start wie geplant pünktlich um 06:00 Uhr, Seestr. 2b, Hagen.
Fangen wir mal ganz entspannt mit dem Prolog an...
Ja und dann war eigentlich schon Ende, ich bin durchaus in der Lage ordentlich zu fluchen. Nach 3km ne Sperrung und statt einfach zurück zu laufen will ich die Sperrung umlaufen. Was folgt ist eine Odysee im Hagener Wald. Steilste Anstiege, keine klare Wegführung, umgestürzte Bäume und bis ich wieder Strasse unter den Füssen hatte vergingen 3-4km mit etwa 220HM, keine Kraft mehr in den Armen (vom Jogger mit Ausrüstung über die Bäume tragen und hoch schieben) und die Waden bereits sauer. Dann wieder bergab, was mit dem Jogger auch keinen Spass macht. Die erste Entscheidung musste her, Abbruch oder doch noch versuchen. Vielleicht läuft sich das ja irgendwie raus und es galt doch Geister zu fangen.
Weiter gings, wenn auch mühselig. Die Umgehung Harkortsee war eher harmlos, aber dann kam wieder so eine schöne Überraschungsstelle, Sperrung wegen Verschönerungsarbeiten. Mit dem Jogger über dicke Steine, auf dass wir schön durchgerüttelt wurden. Bei km 51 hatte ich die Faxen dicke, Erstmal hinsetzen und im Kopf Klarheit schaffen.
Locker flockiges Laufen ist heut nicht, Zielzeit wird weit weg von "schön" sein, wenn ich überhaupt durch komme. Andererseits, es ist ein toller Tag, morgen kann ich ausschlafen, so eine Gelegenheit für einen langen Lauf ist selten und so wirklich Schmerzen hab ich keine. Worum gehts jetzt? Der Kopf muss stimmen, der Wille muss da sein, Ultralaufen bedeutet einfach nicht aufzuhören ein Fuß vor den anderen zu setzen. Selbst wenn ich bis tief in die Nacht brauchen würde, so ist dies Durchhaltewille, von dem ich wissen will, ob er noch da ist. Kurz ausgerechnet wann ich bei einem Resttempo von 6 km/h ankommen würde, akzeptiert und weiter gings.
Dann waren 2/3 geschafft, es lief auf Gesamtstrecke 106,5km hinaus und ich war bei 71, Berd Krayer versicherte mir mehrmals bei etwa 83, also VP Mintard, mit einem kühlen Bier auf mich zu warten. Sowas hilft ungemein, teilt es doch die restliche Strecke in angenehme Häppchen und auch mein Trinkvorrat war nicht unerschöpflich.
An dieser Stelle, ich muss mir dringend was wegen der Verpflegung einfallen lassen. die 9 Liter sind auf den 14std22min komplett drauf gegangen, dazu aber nur ein Energieriegel und ein kleiner Schokocrepes. ich bekomm einfach keine feste Nahrung runter :-( .
Also noch mal eine erfrischende kleine Pause mit Bernd und dann nur noch 24km. Es war klar, dass ich durchkomme, immer noch nirgends Schmerzen, nur extrem dicke Beine, etwas Nacken und Quellfüße. Je näher ich dem Ziel kam, umso mehr Leute ahnten was ich da mache und ich bekam jede Menge "Daumen hoch" angezeigt. Noch 10km, jetzt noch ein bisschen "Number of the Beast" auf die Ohren und durch. Ich wurde tatsächlich noch mal schneller und hatte am Ende diesen Rheinorangeklotz ganz für mich alleine.
Zeit: 14std 21min 50sek, interessiert aber niemanden, vor allem mich nicht.
KM: 106,5 mit knapp 1000 HM, durchgezogen, yeah.
Nix Leiste, nix Oberschenkel, nix Ferse= Doppel-Yeah

und eure ganzen Kommentare und Likes, traumhaft.

Der nächste Morgen, ups etwas ziepen in der rechten Armbeuge, das Schieben war dann doch etwas ungewohnt.
Und endlich mal wieder Muskelkater, wurd ja auch Zeit :-)"

 

Catch the Ghost: Ein Wettkampf mit 500 Teilnehmern bei selbstbestimmter Strecke in den Kategorien 5 km plus, 10 km plus, 21,1 km plus, 42,2 km plus, 100 km plus und 100 Meilen plus, gelaufen zwischen dem 29.05. und 01.06.2020.

 

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