Charaktertest bestanden - aber Spiel leider verloren

Die Zuschauer in der Bielerthölle bekamen am Samstagabend zwei völlig unterschiedliche Spielkonzepte zu sehen. Während die 82er auf ihre einstudierten Abläufe setzen konnten, behalf sich die SG mit dem überragenden Können ihrer Leistungsträger Filip Lazarov und Alexander Oelze. Immer wieder gelang des den beiden Protagonisten der SG, entweder sich selber oder ihre Nebenleute in hervorragende Wurfpositionen zu bringen. Bei den 82ern haperte es in der ersten Hälfte noch im Angriffspiel; vor allen Dingen Ratingens Abwehrchef Ace Jonovski überzeugte mit guter Organisation und Stellungsspiel. Ratingen übernahm von Beginn an daher das Kommando und führte in der 9. Minute bereits mit 2:5. Fabrice Voigt reagierte, nahm seine erste Auszeit und stellte sein Team nochmals ein. Die 82er ließen danach keinen Treffer der SG zu, trafen selbst drei Mal und glichen somit unter dem Jubel der Fans zum 5:5 aus. Das Spiel blieb eng und hart umkämpft, kein Spieler gab auch nur einen Zentimeter nach. So entwickelte sich eine auch physisch anstrengende Partie, denn der Körpereinsatz forderte hüben und drüben seinen  Tribut. Gegen Ende der ersten Halbzeit hatten die Ratinger einige strittige Szenen für sich gepfiffen bekommen, führten mit 8:11 und 9:12. Jo Sonnenberg, der wieder einmal spielerisch und kämpferisch überzeugen konnte, verkürzte zum 10:12. Vier Sekunden vor dem Halbzeitpfiff konnten die 82er einen Wurf von Marco Bauer nicht verteidigen und mit 10:13 ging es in die Pause.

Der zweite Durchgang geriet dann zum Handballkrimi. Die SG kam wacher aus der Halbzeit, erhöhte schnell auf 10:15. Und als Aaron Ellmann wegen eines Allerweltsfouls auf die Bank geschickt wurde, befürchtete so mancher Zuschauer schon Ungemach. Zu Unrecht: denn die 82er wollten dem haushohen Titelfavoriten zeigen, dass sie sich nicht so einfach ergeben. Marius Anger traf direkt doppelt, Lars Jäckel vom Siebenmeterpunkt - und die 82er waren auf 14:16 dran. Beim 16:20 sah es kurz danach aus, als sei erneut die Vorentscheidung zu Gunsten der Gäste gefallen. Aber Opladen fightete sich zurück, nahm die überharte Gangart der Ratinger an und warfen sich immer wieder in die gegnerische Abwehr. Beim 19:20 durch Jan Jagieniak war der TuS wieder voll dabei und es gab genügend Gelegenheiten, den Ausgleich zu erzielen. In der Schlussphase, beim Spielstand von 25:27 (58.), hatten die Opladener gleich drei 100%ige Gelegenheiten, die SG noch unter Druck zu setzen. Aber erst rettete der Pfosten, dann hielt Ratingens Keeper zwei Gegenstöße phänomenal. Lukas Plaumann gelang gegen eine immer offensiver deckende Abwehr der Durchbruch und der entscheidende Treffer zum 25:28. Vincent Gremmelspacher setzte mit dem 26:28 den Schlusspunkt.

So gewannen die 82er gegen einen starken Gegner zwar die zweite Halbzeit, mussten am Ende aber dem Gegner zum verdienten Sieg gratulieren. Anders als gegen Dinslaken konnten sie aber die Halle erhobenen Hauptes verlassen, denn mit einer überzeugenden kämpferischen Leistung haben sie bewiesen, dass der Auftritt gegen die Rheinwacht als Ausrutscher zu werten ist.

TuS-Coach Fabrice Voigt war daher zwar enttäuscht, dass der Favoritensturz nicht gelang, aber gleichzeitig auch Stolz auf sein Team: "Ratingen hatte bislang mit drei Nationalspielern überragende Einzelkönner in seinen Reihen und die Verpflichtung von Ali Oelze hat sie spielerisch noch einmal einen Schritt nach vorne gebracht. Ich muss meiner Mannschaft trotz der Niederlage ein Kompliment machen: Sie hat sich an die taktische Marschroute gehalten und wir haben vor allen Dingen kämpferisch voll überzeugt. In der Schlussphase hat bei uns ein bisschen die Cleverness gefehlt, sonst wäre es noch einmal enger geworden."

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